Foto-Objekte

Fotografien als (Forschungs-)Objekte in Archäologie, Ethnologie und Kunstgeschichte

Archäologie, Kunstgeschichte sowie Ethnologie ist neben ihrer Institutionalisierung um 1900 das Arbeiten mit Fotografien gemeinsam, die zu Substituten ihrer Forschungsgegenstände wurden. Ausgehend von neuesten Studien über die Materialität von Fotografien und Fotoarchiven betrachtet das Forschungsvorhaben Dokumentarfotografien als dreidimensionale, von historischen Vorgängen geformte Objekte, die als Träger von sedimentiertem Wissen in sozialen und kulturellen Kontexten agieren. Es soll vergleichend untersuchen, wie sich die Herausbildung der geisteswissenschaftlichen Methoden, die Entwicklung und Verbreitung fotografischer Techniken sowie die Errichtung fachbezogener Fotoarchive in den Jahrzehnten vor und nach 1900 wechselseitig bedingten.

 

Im Zentrum stehen dabei Techniken und Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens an und mit Fotografien. Diese weisen eine doppelte Objekthaftigkeit auf, da sie Objekte indexikalisch darstellen und gleichzeitig selbst als sprechende Objekte zu verstehen sind. Das Projekt soll das wissenschaftliche Potenzial der Fotoarchive in Museen, Universitäten und Forschungsinstituten erschließen sowie ein Modell für die Fächer übergreifende Vernetzung verschiedener Sammlungen entwickeln. Gleichzeitig kann es neue Erkenntnisse im Hinblick auf Disziplinen übergreifende Prozesse der Kanonbildung liefern.

 

Die Bestände der vier Verbundpartner können prototypisch für den Gebrauch der Fotografie in den drei Disziplinen stehen und erlauben daher Vergleich und Austausch von Methoden und Ergebnissen. Sie sollen aber auch als Einzelfälle betrachtet und kontextualisiert werden.

Untersucht werden sollen folgende Kernbestände in den jeweiligen Sammlungen:

die Fotodokumentation archäologischer Ausgrabungskampagnen in Griechenland und Kleinasien (Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung), Architekturfotografien aus den USA und Europa um 1900 (Staatliche Museen zu Berlin, Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek), das Hahne-Niehoff-Fotoarchiv zur Volkskunde (Humboldt-Universität, Institut für Europäische Ethnologie) sowie Aufnahmen angewandter Kunst (Kunsthistorisches Institut in Florenz, Photothek).

 

Dank der im Verbund versammelten Vielfalt an Kompetenzen und Fotoarchivierungspraktiken aus Institutionen unterschiedlicher Natur (Museum, Universität, Forschungsinstitut) können die zentralen Thesen des Vorhabens erarbeitet werden: die spezifische Materialität der Fotografie in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, die Veränderungen der Fotografien selbst durch unterschiedliche Nutzungen und Gebrauchsweisen, die Überlagerung der Bildinhalte durch die verschiedenen wissenschaftlichen Fachdiskurse. Zu den Zielen gehört die Etablierung eines internationalen Netzwerkes. Neben Workshops, einem Symposion, Buch- und Online-Publikationen ist eine das Vorhaben abschließende Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie geplant, die aus den Beständen der Projektteilnehmer die Ergebnisse ebenfalls für ein breites Publikum anschaulich machen soll. Das erschlossene Fotomaterial wird zudem für weitere interdisziplinäre Forschungsvorhaben zur Verfügung stehen.

 

Projekblog: https://fotobjekt.hypotheses.org/ 

Beteiligte Institutionen