Silk Road Fashion

Kleidung als Kommunikationsmittel im 1. Jahrtausend v. Chr. in Ostzentralasien

„Kleider machen Leute“ – das gilt heute wie vor 3000 Jahren, denn Kleider umgeben den menschlichen Körper wie eine zweite Haut und bieten ein Erkennungsmittel noch bevor das erste Wort gesprochen ist. Diese Art der Kommunikation über die Kleidung ist Ausdruck von Lebensart und Denkweise, Zeichen von Zusammenschluss oder Absonderung. Das Projekt widmet sich diesem Thema indem es Funde von bis zu 3000 Jahre alten Textilien untersucht, die im Autonomen Gebiet der Uyguren Xinjiang, im Nordwesten Chinas, geborgen werden konnten. Die extreme Trockenheit führte dort zu einer natürlichen Konservierung dieser außergewöhnlichen Zeugnisse, die für die Erforschung des Lebens der Bevölkerung Ostzentralasiens zwischen 1000 v. Chr. und 300 n. Chr. von unschätzbarem Wert sind.

 

Das Projekt untersucht ca. 20 vollständige Ausstattungen, die etwa 100 Fundobjekte und Objektgruppen umfassen. Wann trug man wo welche Kleidung und wie wurde sie hergestellt? Zeigt sie geschlechts-, alters- oder standesspezifische Merkmale? Wenn ja, mit welchen technischen Mitteln wurden diese Differenzierungen erzeugt und lassen sie sich als spezielle Moden einzelner Gruppen charakterisieren? Ein Verbund aus fünf deutschen und zwei chinesischen Kooperationspartnern sucht erstmals umfassende Antworten auf diese Fragen und verbindet Methoden der Archäologie, Textil- und Lederforschung, Farbstoff- und Schnittanalyse, Ornamentkunde, Paläopathologie, Vegetations- und Klimaforschung sowie Linguistik. Dies ermöglicht die Rekonstruktion von technischem Wissen, Sozialstrukturen, Ressourcenverfügbarkeit und Handelsnetzen, die über Xinjiang hinaus auch die Nachbarregionen einbeziehen.

Im Rahmen des Projekts veranstaltete die Chinesische Akademie für Kulturerbe in Kooperation mit der Außenstelle Peking des Deutschen Archäologischen Instituts und dem LVR-LandesMuseum Bonn eine Fortbildung zur Konservierung und Restaurierung von Leder. An dem Kurs – der erste seiner Art in China – nehmen Mitarbeiter aus verschiedenen Kultureinrichtungen Chinas teil, die alle Leder in ihren Sammlungsbeständen und damit konservatorische Probleme haben. Ziel des Kurses ist es, theoretisch und praktisch zu vermitteln, wie man den Erhaltungszustand von Leder in Museumsbeständen analysiert und seinen Eigenschaften entsprechend aufbewahrt und behandelt.

 

Die Dokumentation aller Arbeitsschritte dient zur Entwicklung von Lehrmaterial. Ergebnisse werden in fach- und populärwissenschaftlichen Artikeln sowie auf der Website www.bridging-eurasia.org publiziert. Im Rahmen des Projektes werden sieben Dissertationen entstehen. Eine internationale Modenschau bot ein besonderes Finale, in dem die Wirkung der Kleidungsstücke am bewegten Körper erlebbar wird.

Beteiligte Institutionen