Islamische Buchkunst

Objekte aus dem 16. und 17. Jahrhundert

Die Orient-Sammlung des Stuttgarter Linden-Museums umfasst auch eine repräsentative Sammlung islamischer Buchkunst. Einige dieser Objekte befanden sich jedoch in einem konservatorisch hoch problematischen Zustand. Mit Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung stehen nun Personalmittel zur Verfügung, um die materielle Sicherung von acht ausgewählten Objekten durch konservatorische und restauratorische Behandlung zu ermöglichen.

 

Die vorliegenden Schadensbilder sind charakteristisch für orientalische Handschriften. Sogenannter Kupferfraß und die spezielle Einbandtechnik der Manuskripte erschweren das Öffnen der Bücher und rufen dadurch weitere Schäden hervor. Der Schriftspiegel orientalischer Handschriften wurde oft mit einem goldenen oder grünen Rahmen umgeben. Üblicherweise wurde dafür das historische Pigment Grünspan (Kupferacetat) verwendet. Die darin enthaltenen Kupferionen katalysieren den chemischen Abbau von Cellulose. Dieser bewirkt anfangs eine Verbräunung des Papiers und führt im weiteren Verlauf zu Rissen und Ausbrüchen ganzer Partien.

 

Orientalische Einbände, deren Buchrücken mit dem Einbandleder direkt verklebt werden, erschweren grundsätzlich das Aufschlagen des Buches. Mehrfache frühere Reparaturen, starkes Beschneiden, unorthodoxe Heftungen durch den gesamten Buchblock und dicke Leimschichten am Buchrücken verstärken dieses Problem. Inbesondere entlang der fragilen, teilweise bereits gebrochenen grünen Rahmenlinien ist die Spannung beim Öffnen des Buches zu groß, so dass eine schadensfreie Benutzung nahezu unmöglich wird.

Zahlreiche alte und neuere Reparaturen und Überklebungen mit Selbstklebefolie mussten entfernt werden. Für die Stabilisierung der brüchigen Bereiche wurde ein konservatorisches Konzept entwickelt, das einerseits eine mechanische Sicherung erreicht, andererseits möglichst wenig in das ästhetische Erscheinungsbild als Museumsobjekt und orientalisches Buch eingreift.

 

Die fragilen Rahmenlinien und entsprechende Bereiche wurden mit einem sehr dünnen vorbehandelten Papier aus Kozo-Fasern gesichert. Durch die Beschichtung des Papiers mit einem wieder befeuchtbaren Klebemittel kann zur Reaktivierung eine geringstmögliche Menge an Feuchtigkeit, bzw. Alkohol, oder Alkohol-Wasser-Mischung eingesetzt werden. Kleine Fehlstellen wurden zur Stabilisierung mit Cellulosepulver ergänzt. Die – in der Regel nicht mehr originalen – Einbände wurden weitgehend erhalten, soweit es unter konservatorischem Gesichtspunkt sinnvoll erschien.

 

  Dr. Annette Krämer

 

 

 

Beteiligte Institutionen