Doppelwandbecher im Grünen Gewölbe

Die um 1550 von Nicolaus oder Virgil Solis hergestellten Gefäße werden bereits 1586/87 im Inventar des Dresdner Grünen Gewölbes erwähnt. Die kostbaren Zeugnisse des dynastischen Selbstverständnisses des Herrscherpaares waren von der Zeit gezeichnet – u. a. durch Brüche im Glas, abgelöste Farbe und unsachgemäße frühere Konservierung. Die einzige Restauratorin für Hinterglasmalerei Deutschlands, Simone Bretz, konnte dank der Unterstützung des Freundeskreises die anspruchsvolle Arbeit angehen und den kurfürstlichen Gefäßen ihren Glanz zurück geben.

 

Das Kurfürst August gewidmete Gefäß zeigt die sechs Provinzwappen der Pfalz Thüringen und Pfalz Sachsen, Orlamünde und Pleißen, Landsberg und Altenburg sowie das Wappen des Burggrafentums Magdeburg auf der Bodenplatte; ein ehemals darunterliegendes weiteres Wappen ist zerstört.

Der zweite Becher nimmt Bezug auf Kurfürstin Anna und deren königlich dänische Herkunft. Seine Außenwand schmücken die Wappen vom Königreich der Goten (Jütland) und der Wenden; hinzu kam offenbar das Wappen Schwedens, das ebenfalls zerstört ist. Auf dem Boden finden sich oben die Wappen Schleswig-Holsteins und unten Stormarn-Oldenburgs. Beide Innenbecher sind mit einem floralen Dekor geschmückt.

Die Becher bestechen durch ihre kunstvolle Ästhetik. Die Technik der Hinterglasmalerei ermöglicht die Sicht auf die Verzierungen sowohl von innen als von außen.

 

Details: Doppelwandbecher des Kurfürsten August von Sachsen und der Kurfürstin Anna von Sachsen, Augsburg, um 1550–60, Glas, Silber, vergoldet. Hinterglasmalerei: wohl Nicolaus oder Virgil Solis, Fassung: Hans Selber, Höhe 14,9 cm, Durchmesser 9,7 cm; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Grünes Gewölbe.

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