Der Vergänglichkeit entronnen – „Hieronymus im Gehäuse“

Hieronymus’ knorriger Zeigefinger, entschlossen auf den Totenschädel vor ihm deutend, lässt keinen Zweifel an der Mahnung des Alten: Bedenke, dass du sterben musst! Eine Mahnung, die im Gemälde „Hieronymus im Gehäuse“ aus der Schule des Joos van Cleve (1485-1541) in Gestalt verschiedener Vergänglichkeitssymbole widerhallt und das gesamte Studierzimmer erfüllt. Nebst Sinnbildern der stetig verrinnenden Zeit – darunter die erloschene Kerze und die prächtige goldene Wanduhr – vergegenwärtigt ein konkretes Memento Mori die düstere Conditio des Seins: Das Schriftstück, an die Rückwand des Zimmers geheftet, erinnert sinngemäß daran, dass das Wissen um die eigene Endlichkeit ein sündenfreies Leben birgt.

 

Das Zitat entspringt der sogenannten Vulgata, Hieronymus’ eigener Übersetzung der Bibel aus dem Gelehrtenlatein in ein volksnahes Latein. Versunken in Kontemplation, sitzt der Heilige vor einem offenen Buch, das eben jene Bibelübersetzung enthält. Zusammen mit dem breitkrempigen, scharlachroten Kardinalshut kennzeichnet sie den studierten Hieronymus als einen der vier westlichen Kirchenväter.

Das auf die Zeit um 1510 datierte Tafelbild – eine von 13 Variationen desselben Bildinhalts – zitiert in der Verwendung der Attribute die für die Renaissance typische Bildtradition um den Heiligen. Inspirieren ließ sich Joos van Cleve, der „Leonardo des Nordens“, von Albrecht Dürers ikonischer Darstellungen des Hieronymus. Trotz der hohen Relevanz für die Sammlung des Kurhaus Kleve konnte das Museum das Gemälde bisher nicht präsentieren: Der im Bild so prominent thematisierten Vergänglichkeit war das Werk im Laufe der Zeit selbst unterlegen. Abgeplatzte Malschichten und Holzwurmbefall hatten dem Motiv zugesetzt, ein Ausstellen schien unmöglich.

 

Dank des Bündnisses „Kunst auf Lager“ konnte mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder der „Hieronymus im Gehäuse“ restauriert werden. Von den Zeichen der Zeit befreit, wird das Bild nun fester Bestandteil der Sammlungsschau und mahnt dort nunmehr lediglich motivisch die Endlichkeit des Seins an.

 

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