Zeichnungen von Moritz von Schwind

Kraftvoll stößt Erzengel Michael mit der rechten Hand die Spitze seines lanzenförmigen Vortragekreuzes in Satans Brust. Der am Boden liegende umklammert den Schaft, scheitert jedoch beim Versuch den Angreifer abzuwehren. Moritz von Schwinds Erzengel ist so energisch wie elegant: Die großformatigen, mit besonderer Genauigkeit ausgeführten Zeichnungen „Erzengel Michael“ und „Poesie“, die der Zeichner, Maler und Freskenkünstler Moritz von Schwindt 1848 und 1860 schuf, zählen zu den Kernstücken der Graphischen Sammlung des Kulturhistorischen Museums Magdeburg.

 

Mit Kohle, Bleistift und weißer Kreide gestaltete er seine detailreichen, von den Renaissancedarstellungen inspirierten Figuren auf Karton. Moritz von Schwindt verstand seine Entwürfe als eigenständige Kunstwerke und maß ihnen deshalb einen außerordentlichen Wert zu. Während der Karton „Erzengel Michael“ die Vorlage für ein heute als verschollen geltendes Ölbild darstellt, skizziert „Poesie“ wahrscheinlich die Grundidee für ein Fresko: Umgeben von vier Putti – mit Farbpalette, Architekturmodell und Maske symbolisieren sie die Malerei, die Baukunst und das Theater – schreitet die aus feinen Linien entworfene Figur der Poesie mit gerafftem Gewand voran.

Obwohl von hohem wissenschaftlichem Wert, sind die kostbaren Werke der Forschung bisher unbekannt. Mit der Unterstützung von der Kulturstiftung der Länder konnten die zwei Kartons von Moritz von Schwind restauriert werden. Nach behutsamer Oberflächenreinigung sind die zarten Zeichnungslinien nun wieder besser ablesbar und für die zukünftige Erforschung gesichert. Im Rahmen der Ausstellung „Von Zingg bis Zille – Deutsche Zeichnungen im
19. Jahrhundert
“ werden die kostbaren Kartons im März 2016 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Beteiligte Institutionen