Orientfotografien im Museum für Völkerkunde Hamburg

Unter dem Einfluss der Geschichten aus Tausendundeiner Nacht setzte Ende des 18. Jahrhunderts in Europa eine regelrechte Orient-Euphorie ein. Das Bild, das sich die ersten europäischen Orientreisenden vom „Morgenland“ machten, war so noch stark idealisiert und entsprach eher dem Märchenreich von Ali Baba, Aladin und Scheherazade als der prosaischen Wirklichkeit.

 

Geschäftstüchtige Händler verstanden es, sich die Orient-Begeisterung der Europäer zu Nutze zu machen und arbeiteten offensichtlich mit gestellten Fotos, auf denen romantische Motive wie Kamelkarawanen, pittoreske Marktszenen oder von oben bis unten mit wertvollem Goldschmuck behangene, dunkeläugige Frauen in transparenten Gewändern zu sehen waren.

 

Noch immer wirkt diese Vorstellung vom Orient in uns fort, während wir der realen Geschichte und Kultur der arabischen, persischen und islamischen Welt weitgehend fremd und misstrauisch gegenüberstehen. Die Auseinandersetzung mit dieser Region ist vor dem Hintergrund der Globalisierung und der zunehmenden Überlagerung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessensphären heute aber wichtiger als jemals zuvor.

Als der Direktor des Museums für Völkerkunde Hamburg, Professor Wulf Köpke, im März 2004 mit der Bitte an die ZEIT-Stiftung herantrat, das Museum bei der Aufarbeitung seiner Bestände an historischen Orient-Fotografien zu unterstützen, sprach er von einer Sammlung von geschätzten 13.000 Bildern aus der Zeit von 1870 bis 1970. Bereits zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass sich unter den Beständen Bilder bedeutender Fotografen wie Samuil Martinovič Dudin, Carl Rathjens oder Hermann von Wissmann befanden.

 

Ein Jahr später, im April 2005, berichtete Professor Köpke, dass über 4.000 zusätzliche Fotografien entdeckt worden seien. Letztendlich belief sich der Gesamtbestand auf mehr als 18.700 Fotografien, einige davon aus der Zeit vor 1870. Die meisten Bilder, die das Völkerkundemuseum Hamburg mit Hilfe der ZEIT-Stiftung der Öffentlichkeit zugänglich machte, besitzen im Gegensatz zu Fotografien, die europäische Modetrends bedienten, quasi-dokumentarischen Charakter. Sie geben uns daher Auskunft über die Geschichte eines der bedeutendsten Kulturräume der Welt und vermitteln so wertvolle Erkenntnisse für unsere Gegenwart.

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